Pokémon Go – Fluch oder Segen?

Seit Anfang Juli gibt es die Invasion der kleinen Taschenmonster aus Japan auch in Europa. Allerdings befinden sich die sogenannten Pokémon nur in der virtuellen Realität. Dahinter steckt ein Handyspiel, das auf dem Augmented-Reality-Prinzip beruht. Unter erweiterter Realität (auch englisch augmented reality, kurz AR) versteht man die computergestützte Erweiterung der Realitätswahrnehmung. Diese Information kann alle menschlichen Sinnesmodalitäten ansprechen. Häufig wird jedoch unter erweiterter Realität nur die visuelle Darstellung von Informationen verstanden, also die Ergänzung von Bildern oder Videos mit computergenerierten Zusatzinformationen oder virtuellen Objekten mittels Einblendung/Überlagerung.

In der virtuellen Spielwelt von Pokémon Go bewegt man seinen Avatar über eine Karte der Gegend, in der man sich gerade befindet. Das Ziel des Spiels ist es, die Pokémon zu fangen und zu trainieren. Mit den gefangenen Pokémon kann sich  Duelle mit anderen Spielern liefern bei dem es um die Herrschaft über virtuelle Arenen geht. Per GPS des Handys wird ständig die aktuelle Position ermittelt und auf einer Karte, die sich auf die Daten aus Google-Maps stützt, visualisiert. Es werden auch Dinge aus der realen Welt im Spiel repräsentiert. Besondere Orte haben oft einen sogenannten Pokéstop, den der Spieler aufsuchen kann um sich mit Spiel-Items zu versorgen. Die Pokémons erscheinen an verschiedenen Orten auf der Karte und die Spieler müssen, um diese zu fangen, sich real zu diesen Orten bewegen.

Gerade diese beiden Tatsachen führen oft zu Konflikten zwischen Pokémon-Jägern und dem Rest der Welt, da sich oft viele Spieler an bestimmten Orten sammeln um seltene Pokémon zu jagen oder ähnliches. Das kann sehr störend sein für Menschen die an diesen Orten wohnen oder arbeiten. In Hannover wurden Pokémon-Go-Spieler vom Spielplatz im Maschpark verbannt, weil sie diesen zu sehr belagert hatten.

Auch entstanden gefährliche Situationen im Straßenverkehr, weil Fußgänger, Radfahrer oder sogar Autofahrer vom Spielen mit dem Handy abgelenkt waren.

Ein weiterer Kritikpunkt am Spiel, beziehungsweise der Geschäftspolitik des Betreibers Niantic ist der Umgang mit den Nutzerdaten. Wenn man sich die App installiert muss man der Nachnutzung seiner Daten zustimmen. Bei Nutzung der Services kommt es zur umfassenden Speicherung von Protokolldaten, z. B. IP-Adresse, Betriebssystem, User-Agent, Browser-Art oder auch der Website, die ein Nutzer vorab besucht, sowie von Suchbegriffen und Links, die er angeklickt hat. Diese Protokolldaten werden analysiert, wobei auch Drittanbieter zur Auswertung herangezogen werden können. Unklar bleibt, welche Dritte das sind. Wer weiß also, welche Websites und Links der Nutzer wann besucht hat? Nach derzeit anwendbarem und künftigem Datenschutzrecht müssen Empfänger von Daten offengelegt werden.“ (Die Presse 25.07.16)

Es gibt allerdings auch positives über das Spiel zu sagen.

Zum Beispiel ist diese App wohl die effektivste Fitness-App des Jahres. Dadurch das sich draußen abspielt und die Spieler sich von einem Ort zum anderen bewegen müssen sorgt diese App wohl für mehr Bewegung als so manche echte Fitness-App. Das Spiel macht Spaß und weckt den Forscherdrang, sodass eine hohe Motivation da ist sich zu bewegen.

Man lernt viel über die Umgebung, in der man sich gerade befindet, da die Pokéstops sich meistens an lokalen Besonderheiten befinden. Man entdeckt auch als Einheimischer viele interessante Dinge an denen man jahrelang vorbeigelaufen ist. Und weil das Spiel so populär ist und die Technologie so faszinierend, gibt es schon Ideen die virtuelle Welt von Pokemon Go in Unterrichtskonzepte einzubinden. Zum Beispiel die Idee des „Digital Storytelling“. Dabei sollen die Schüler auf Erkundungstour gehen und bei Pokémon-Begegnungen einen Screenshot davon machen. Später wird aus den Screenshots ein digitales Storyboard gemacht und eine Geschichte Drumherum erzählt.

Eine weitere Idee kommt vom Biologen Morgan Jackson aus den USA. Dieser hat den Hashtag #PokeBlitz ins Leben gerufen. Unter diesem Hashtag können Spieler die bei ihrer Pokémonjagd auf echte Tiere gestoßen sind Fragen zu diesen stellen, die dann von beteiligten Wissenschaftler beantwortet werden.

Für Bibliotheken ergeben sich Möglichkeiten das Spiel zu benutzen um neue Besucher in ihre Räume zu bekommen. Wie in einem Artikel des Bibliotheks-Blog NRW beschrieben wird kann beim Spielebetreiber beantragen die Bibliothek mit einer Arena oder einem Pokéstop auszustatten. Man könnte dann eigene Orden verteilen für die Spieler die die Bibliotheksarena erobern.

Zusammenfassend kann man sagen das Pokémon Go das Potenzial hat, mehr als nur ein Spiel zu sein. Vielmehr verhilft es dem Augmented Reality Prinzip zu mehr Aufmerksamkeit und kann als gelungene Anwendung in diesem Bereich gesehen werden, die einiges an Potenzial als Werkzeug im Klassenzimmer zu bieten hat.

Ein wirklich störender Punkt ist allerdings der Umgang mit den Nutzerdaten. Die allgemeinen Geschäftsbedingungen von Niantic, dem Herausgeber von Pokémon Go, sind nicht mit deutschen Recht vereinbar. Das sollte einem bewusst sein, wenn dieses Spiel benutzt.

Eine ausführliche Einschätzung aus pädagogischer Sicht findet man beim Spieleratgeber NRW.

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