Freier Zugang zu Forschungsarbeiten in Europa ab 2020

Ab 2020 müssen die Ergebnisse öffentlich finanzierter Forschungsarbeiten frei zugänglich sein. Dies gibt die niederländische Ratspräsidentschaft in einer Pressemitteilung  unter dem Titel „Europa entscheidet sich für Open Access“ bekannt. Sie fasst damit den Kern der Europäischen Open-Science-Strategy zusammen, die vom Rat für Wettbewerbsfähigkeit (Competitiveness Council) unter dem Titel „Council Conclusions on the Transition towards an Open Science System“ verabschiedet wurde. Darin heißt es: „Ab 2020 müssen alle wissenschaftlichen Publikationen zu Ergebnissen öffentlich finanzierter Forschungsarbeiten frei zugänglich sein“. Nach den zuständigen EU-Minister ist es das Ziel, die Mehrfachnutzung von Forschungsdaten außerhalb von Universitäten zu fördern. Entsprechend ihrer „European Cloud Initiative – Building a competitive data and knowledge economy in Europe“ wird die EU bereits bis 2017 die Forschungsergebnisse aus neuen Horizon 2020 Projekten öffentlich zugänglich machen.  In diesem Zusammenhang wird sie auch an die Forschungsförderer appellieren, ihre bisherige Förderpraxis zu überprüfen und anzupassen, damit nicht mehr – wie bisher – die Anzahl von Publikationen eines Wissenschaftlers und deren Zitation im Mittelpunkt stehen, sondern die gesellschaftlichen Auswirkungen der Forschung eine größere Rolle spielen.

Die EU-Minister unterstreichen damit ihre Meinung, wonach Forschungsergebnisse, die mit öffentlichen Mitteln entstanden sind, als Allgemeingut („public good“) betrachtet werden können und fordern die deutlich stärkere Nachnutzung bereits vorhandener Daten. Gleichzeitig wird aber die Notwendigkeit für unterschiedliche Zugangssysteme dazu gesehen, das geistige Eigentum und personenbezogene Daten zu schützen.

Im April fand unter der Ratspräsidentschaft der Niederlande und ihres Staatssekretärs für Bildung, Kultur und Innovation, Sander Dekker, in Den Haag die „Open Science Conference“ statt. Der daraus hervorgegangen ist der lesenswerte „Amsterdam Call for Action on Open Science“. Eine der wichtigsten Forderungen des „Call“ an die wissenschaftlichen Einrichtungen in Europa ist der Verzicht auf die Vertraulichkeitsklauseln mit Verlagen (siehe hierzu auch den Beitrag zum Thema „Transparenz von Subskriptionspreisen“ in diesem Blog).

Einen weiteren Schritt für den Austausch über Fächer und Ländergrenzen hinweg geht die „European Open Science Cloud“ (ESOC). Mit dieser „Europäischen Dateninfrastruktur“ sollen Forschungsdaten über Fachgebiete hinweg ausgetauscht werden. Damit soll Millionen von Wissenschaftlern und Forschern in Europa der Austausch von Daten ermöglicht und die Produktivität in der Wissenschaft erhöht werden. Wie die ESOC funktioniert, erklärt die Deutsche Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften (ZBW), in einem Erklärfilm bei Youtube.

Mit diesen Entwicklungen der vergangenen Monate scheint Sander Dekker mit seinem Plan, die niederländische EU-Ratspräsidentschaft zu nutzen, um „Open Access“ in der europäischen Union weiter voran zu bringen, Erfolg zu haben. Glückwunsch!

In Deutschland gab die Helmholtz-Gemeinschaft – als größte deutsche Forschungsgemeinschaft – gerade in einer Pressemitteilung die Verabschiedung einer „Open-Access-Richtlinie“ bekannt, die vorsieht, dass wissenschaftliche Publikationen, an denen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Helmholtz-Gemeinschaft beteiligt sind, der Allgemeinheit zur Verfügung stehen sollen. Danach sollen Publikationen in naturwissenschaftlichen Fächern 6 Monate, in geisteswissenschaftlichen Fächern 12 Monate nach Erscheinen kostenfrei zugänglich sein.

 

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