Bücher zweitrangig?

Früher war die Bibliothek ein Ort der Stille, an dem man die Ruhe zum Lesen fand. Respektvoll dämpfte man seine Lautstärke, sobald man die Räumlichkeiten betrat. Heute ist die Bibliothek ein Ort der Begegnung, der wenig an eine klassische Bibliothek erinnert. In Zeiten der digitalen Revolution kämpfen Bibliotheken immer mehr um ihre Daseinsberechtigung. Ausleihzahlen sinken, der Etat wird gekürzt und damit auch Stellen gestrichen. Informationen sind dank Digitalisierung zeit- und raumunabhängig zugänglich und abrufbar, dass macht eine physische Verfügbarkeit nicht zwingend notwendig. Die traditionelle Ausleihe rückt nach und nach in den Hintergrund. Bibliotheken sind gezwungen umzudenken, ein Imagewechsel steht an. Bestes Beispiel dafür ist die neu eröffnete öffentliche Bibliothek DOKK1 in Aarhus, die sich als Community Center und weniger als Bildungsstätte sieht. In Aarhus steht der Bürgerservice im Vordergrund. Der Nutzer dort, hat die Möglichkeit seinen Pass zu verlängern und seinen Wohnsitz anzumelden. Erinnert eher an ein Bürgeramt. Zusätzlich gibt es ein Café, eine Kreativwerkstatt, sogenannte Maker Spaces, Nähmaschinen und sogar ein Tonstudio. Der Familienbereich glänzt mit einem Fußballfeld und Spielekonsolen. Nutzbar ist das Alles auch außerhalb der Öffnungszeiten. Mit der Gesundheitskarte kann das Gebäude geöffnet und mit seinen Annehmlichkeiten genutzt werden. Die Ausleihe erfolgt automatisiert. Allein eine halbe Millionen Besucher kann Aarhus in den ersten Monaten vorweisen. Die Besucherzahlen steigen zwar, aber nicht die Ausleihzahlen. Darum geht es aber auch nicht bei dem Exempel in Aarhus. Bücher sind laut dem Direktor Rolf Hapel Nebensache. Für ihn dank der Digitalisierung nicht zwingend von Nöten. Für Hapel steht der Mensch im Mittelpunkt. Deutlich macht er dies, indem er Bücher rigoros aussortiert, die seit 2 Jahren nicht entliehen wurden. Die Studenten geben ihm und dem Konzept Recht. Sie genießen es, mitten im Leben zu sein, während sie ihrer wissenschaftlichen Arbeit nachgehen. Die Chancen stehen gut, dass sie den Rückgang der Printmedien kaum wahrnehmen, da digitale Medien immer weiter in den Blickpunkt rücken. Nichts erinnert mehr an den geheimnisvollen Ort, den ein besonderer Charme zwischen seinen langen Bücherregalen umgab. Mir stellt sich ganz melodramatisch die Frage ob Bücher für künftige Generationen nur  Erinnerungsstücke vergangener Zeit sein werden.

3.12.15: Änderung zur Ursprungsversion: Links zu Artikeln auf ndr.de und faz.net eingefügt

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Ein Gedanke zu “Bücher zweitrangig?

  1. Dein Beitrag zeigt deutlich den aktuellen Zukunftstrend für Bibliotheken.
    Bibliotheken werden als „Dritter Ort“ in den Fokus gerückt, wobei sich der Begriff „Dritter Ort“ als Lebensraum zwischen dem eigenen Zuhause (erster Ort) und der Arbeitswelt/Ausbildungsstätte (zweiter Ort) versteht. Allein durch Ausleihen wird in naher Zukunft kaum eine Bibliothek bestand haben können, hier müssen wir uns klar positionieren: entweder als Anbieter von Freizeitmöglichkeiten, als etablierter Lernort oder aber als Experimentierlabor (Makers Space). Sicherlich gibt es noch weitere Optionen.
    Aber klar wird auf jeden Fall, dass der Schwerpunkt im Bibliothekswesen nicht mehr auf der ehemals zentralen Bedeutung des Medienangebots liegt, sondern auf der Bibliothek an sich als Aufenthaltsort.

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