NC-Lizenzen bei Creative Commons

In vielen Creative Commons Lizenzen taucht immer wieder ein „NC“ auf, welches darauf hinweist, dass eine kommerzielle Nutzung des Inhaltes untersagt ist. Doch wann ergibt so eine Lizenz Sinn und welche Folgen entwickeln sich daraus?

Meine eigenen, ins Netz gestellten Fotos, Videos oder Texte möchte ich nicht auf irgendeiner Werbefläche wiederfinden, deshalb das bereits erwähnte „NC“ in meiner Lizenz. „Nicht dass noch Firmen an meinem kreativen Gedankengut Geld verdienen!“ Dies wäre wohl von fast jedem die erste Überlegung. Doch den meisten Urhebern ist gar nicht bewusst, wie sehr dadurch die Nutzung von wichtigem Wissensgut für uns Menschen eingeschränkt wird.

Laut eines Beitrags von Alexander Wragge aus 2012 auf der Informationsplattform iRights.info – Urheberrecht und kreatives Schaffen in der digitalen Welt verhindern die Veröffentlichungen mit der NC-Option z.B. eine Verwendung für Zeitungen, Schulbücher oder werbefinanzierten Blogs. Im Bereich von Bildung und Weiterbildung können die Einnahmen oft nicht nur öffentlich finanziert werden und sind daher auf weitere Einnahmen angewiesen, dadurch gilt so ein Institut als kommerziell. Eine Nutzung von NC-Inhalten ist also nicht ohne Nachfrage erlaubt, vgl. S.10-11 des als pdf online verfügbaren Leitfadens von Paul Klimpel aus demselben Jahr. Wikipedia ist damit auch ausgeschlossen, weil nur freies Wissen dort verbreitet wird. Zum Beispiel Künstler, die noch keinen hohen Bekanntheitsgrad haben, werden diesen auch selten erreichen, wenn ihre Fotos nicht verbreitet werden dürfen oder auf gewissen Seiten nicht gezeigt werden.

Viele Urheber denken, wenn sie eine freie Nutzung ihrer kreativen Schöpfung erlauben, dass sie ihre gesamten Rechte damit an Creative Commons abgeben. Doch Creative Commons ist eine Organisation, die an den Lizenzen, somit auch an den Werken keine Einnahmen erhält. Sie stellt lediglich die Lizenzen zur Verfügung und gibt die freie Möglichkeit, sich eine der sechs Lizenzen auszusuchen, darunter auch die NC-Lizenz.

Wragge lässt verlauten, dass selbst Profis überdenken sollten, ihre Inhalte nicht mit einer NC-Lizenz auszustatten. So eine eingeschränkte Freigabe ist nur dann sinnig, wenn eine kommerzielle Ausnutzung durch Dritte nicht nur theoretisch möglich, sondern auch wahrscheinlich sei: sprich, bei Laien wäre die Wahrscheinlichkeit noch geringer.

Ein weiteres Problem der Nicht-Kommerziell-Lizenz besteht darin, dass die NC-Lizenz erst dann abläuft, wenn auch das Urheberrecht nicht mehr existiert. Laut Gesetz läuft das Urheberrecht 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers ab. In dieser gesamten Zeit ist kein Nutze des kreativen Gedankenguts möglich, so Erik Möller, S.8.

Eine NC-Lizenz würde oft dann zur Bewandtnis werden, wenn der Lizenzgeber eine Firma oder ähnliches betreibt und somit der Inhalt einer höheren Gefahr entgegensteht, ausgenutzt oder nur unwesentlich bearbeitet zu werden, schreibt Klimpel auf S.21.

Umgehen könnte man diese Probleme, indem man folgende Lizenz nimmt: „Wenn ich Inhalte frei zur Verfügung stelle, möchte ich, dass derjenige, der meine Inhalte nutzt, auch seine Inhalte der Gemeinschaft frei zur Verfügung stellt. Also eine: Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen (SA), kommentiert Klimpel auf S.10. Diese Möglichkeit schreckt wirklich die ab, die Geld mit den Inhalten erzielen wollen.

Das gesamte Thema NC-Lizenzen wird stark im Internet diskutiert und immer wieder trifft man auf Grauzonen, die rechtlich undurchsichtig sind. Wie bei einem Beispiel von Paul Klimpel, der in seiner Ausarbeitung die Komplikationen mit Privaten-Blogs schildert: Diese sind meist durch Werbung finanziert, aber oft decken diese Einnahmen nur die eigenen Kosten. Gilt dann so ein Blog als kommerziell? Oder etwa erst dann, wenn der Betreiber des Blogs Einnahmen macht, die über die Ausgaben hinausgehen?

Diese und weitere Fälle sowie Rechtsstreits sind sehr interessant. Vieles in diesem Bereich von NC-Lizenzen kann nach meiner Meinung besser ausformuliert werden. Erik Möller hat in seiner Ausarbeitung einen guten Absatz formuliert, der genau schildert, welche Folgen eine NC-Lizenz hat und weist damit den Urheber daraufhin, welche Einschränkungen er damit dem Nutzer vorgibt.

Vielleicht wäre eine persönliche Nachricht nach fünf Jahren sinnvoll, die nachfragt, ob die Lizenz, die der Urheber damals gewählt hat, heute noch zutrifft. Die Nutzer, die bis dahin das lizensierte Werk genutzt haben und zwar als NC-Lizenz, brauchen nach der Neuerung der Lizenz in eine z.B. SA-Lizenz keine Änderungen vornehmen. Da sie zum einstigen Zeitpunkt die Rechte so angefragt haben, wie der damalige Stand war, also als NC-Lizenz. Ihre angefragten Inhalte müssen somit heute, nachdem der Urheber seine Meinung geändert hat und doch einer SA-Lizenz zustimmt, nicht frei zugänglich gemacht werden.

Natürlich wäre dies nur bei den NC-Lizenzen nötig. Wenn etwas vorher öffentlich zugängliches im Nachhinein als NC-Lizenz lizensiert wird, wäre es eine negative Rückentwicklung für die Gemeinschaft.

 

Quellen

[1] Klimpel, Paul; Wikimedia Deutschland – Gesellschaft zur Förderung Freien Wissens e.V. (Hg.) (2012): Freies Wissen Dank Creative-Commons-Lizenzen. Folgen, Risiken und Nebenwirkungen der Bedingung „Nicht-Kommerziell-NC“. Berlin: iRights.info. Online verfügbar unter: http://irights.info/wp-content/uploads/userfiles/CC-NC_Leitfaden_web.pdf, zuletzt geprüft: 3.11.2015

[2] Möller, Erik (2006): Freiheit mit Fallstrick: Creative-Commons-NC-Lizenzen und ihre Folgen. In: Lutterbeck, Bernd; Bärwolff, Bernd; Gehring, Matthias (Hg.): Open Source Jahrbuch 2006. Zwischen Softwareentwicklung und Gesellschaftsmodell. 2006, S.271-282

[3] Wragge, Alexander (2012) Creative Commons: Kommerziell – Nein, Danke? Online verfügbar unter: http://irights.info/artikel/cc-lizenz-kommerziell-nein-danke/7193, zuletzt geprüft: 3.11.2015

Advertisements

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s