Digitale Angebote in öffentlichen Bibliotheken – ein Erfahrungsbericht

Im Laufe der letzten Semester habe ich für mich persönlich viel gelernt über eScience, Semantic Web und Digitale Bibliotheken. Der gesamte Themenkomplex ist mir selbst bis dahin nur wenig vertraut gewesen und spielt im „Arbeitsalltag“ in einer Bibliothek unserer Größenordnung (~40.000 ME, 4 hauptamtlich Angestellte, 46 ehrenamtliche Mitarbeiter) in dieser Form auch keine Rolle.
Digitale Angebote gibt es hingegen schon lange, leider fällt es vielen Kolleginnen und Kollegen schwer, sich damit auseinander zu setzen. Selbst die Einbindung von Datenbanken (mal abgesehen von Munzinger) ist meiner Erfahrung nach eher die Ausnahme als die Regel.
Das liegt natürlich auch an der Benutzerstruktur: wir haben keine oder kaum Menschen als Kunden, die wissenschaftlich arbeiten oder forschend tätig sind.
Was bedeutet dann „Digitale Bibliothek“ oder „Aktuelle Entwicklungen im Informationsmanagement“ für mich in der täglichen Arbeit?
Der Hauptteil der Arbeit besteht darin, einem Team von Menschen, die bisher mit Technik, Internet und all dem „Neuland“ nichts bis wenig zu tun hatten, diese Welt zu erklären und die Notwendigkeit sowie den Nutzen näher zu bringen.
Inzwischen schon fast „klassisch“ ist die Onleihe, bei uns über das Portal bibload realisiert. Allein die Einführung in die Nutzung der Endgeräte und die Übertragungswege braucht viel Zeit, da nicht nur die Kunden, sondern auch das Personal z.T. nur über wenig Grundkenntnisse verfügen. Um die Nutzung zu erleichtern, sollte ein Wiki eingerichtet werden.
Damit stießen wir auf das nächste Problem – ein anständiges Wiki lässt sich nun mal nur vernünftig einrichten, wenn dafür auch Platz auf dem Server ist. Wenn die übergeordnete EDV-Abteilung diesen aber nicht zur Verfügung stellt, fällt das ins Wasser, bzw. muss über andere Wege (in diesem Fall Google sites) realisiert werden.
Hier zeigte sich, dass der „Weg ins Wiki“ schon so schwierig war, dass von einer Bearbeitung durch die Mitarbeiter momentan noch keine Rede sein kann. Es wird als Info-Seite genutzt (oder auch nicht genutzt), mehr geht nicht.
Zum Glück gibt es auch für „kleine“ Bibliotheken Fortbildungsangebote, um am Puls der Zeit bleiben zu können.
Ein fantastisches Projekt zur eigenen Weiterbildung war der Kurs „Netzworking“. Hier lernten die Teilnehmer Grundlegendes über digitale Angebote wie Facebook, Twitter, Instagram und Tumblr, aber auch über die Nutzung von kollaborativen Plattformen wie etherpad. Zwei der Kollegen haben am Kurs teilgenommen – hoffentlich können noch mehr motiviert werden.
Ein weiteres großes Projekt stand unter dem Motto „Lernort Bibliothek“. In Zuge dieses Projekts entstand die Facebook-Seite „Münsterländer Bibliothekshelden“ – die inzwischen auch bei den ehrenamtlichen Kollegen soweit ins Bewusstsein gerutscht ist, dass diese dafür gern Werbung machen.
All diese Angebote sind weit von dem entfernt, was die Kollegen aus wissenschaftlichen Bibliotheken unter „Digitaler Bibliothek“ verstehen, aber es ist Alltag.  Meiner Ansicht nach brauchen wir dringend mehr Kompetenzen im Umgang mit digitalen Angeboten und hier müssen alle Mitarbeiter einer Bibliothek, sei sie noch so klein, abgeholt und angeleitet werden.
Viele kommen mit dem Tempo, in dem sich der Bibliotheksalltag verändert, nicht mit und befürchten zu Recht, abgehängt zu werden.
Die digitale Welt bietet unzählige Angebote und es bleibt spannend, wohin die Reise gehen wird.

Ein kleiner Satz noch zur Förderung von Kindern mit Hilfe digitaler Medien: die neusten Forderungen lauten, dass Kinder in der Schule auch programmieren lernen sollen. Im ersten Moment klingt das für manche abschreckend, aber eine tolle Methode,  um Kindern spielerisch die Grundzüge des Programmierens beizubringen, sind BeeBots. Diese kleinen Bienen ermöglichen es, einfache Aufgaben (laufe von Punkt A zu Punkt B) vorab zu überlegen und diese dann per Knopfdruck zu programmieren.
Erste Versuche vor Ort zeigen, dass die Kinder (und auch die Großen) wahnsinnigen Spaß daran haben und ganz nebenbei Programmierabläufe lernen.

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