„Publizieren bis der Arzt kommt“ – ein Besuch bei medien-doktor.de

Nicht unmittelbar aus dem e-science-Bereich und überwiegend für das wissenschaftsinteressierte Publikum ist die Seite http://www.medien-doktor.de/. Da sich deren Inhalte überwiegend aus Pressemeldungen der Wissenschaftsinstitutionen oder aus Fachartikeln speist, hielt ich es dennoch für angebracht einmal an dieser Stelle darauf zu verweisen. Das Portal der Technischen Universität Dortmund ging bereits 2010 (Medizin), nach dem Vorbild des 2004 entstandenen australischen Monitoringprojektes Media Doctor Australia, online. Auf Medien-doktor.de setzen sich Wissenschafts- und Medizinjournalisten mit der Qualität von medizinischen- und umweltjournalistischen Beiträgen in Leitmedien mit hohem Verbreitungsgrad auseinander. Fachmedien werden (zumindest bisher) explizit ausgeklammert. Für die Leser von escienceblogging sind hierbei aber weniger* die Berichte selbst, als deren Bearbeitungsablauf interessant. Dafür werden bspw. aus der Bild, dem Spiegel oder der Tagesschau Beiträge ausgewählt und einem nachträglichen peer-review unterzogen. Als Maßstab dienen den Gutachtern dabei drei allgemeinjournalistische, sowie zehn medizin- oder umweltjournalistische Kriterien.

Unter den Links zu den Originalartikeln erhält der Leser eine kurze Zusammenfassung der Begutachtung und eine Qualitätseinstufung durch eine Auszeichnung mit Sternen. Dabei sind Wertungen von 0 bis 5 Sternen möglich. Darunter folgt die Auflistung der überprüften Kriterien mit einer dreistufigen Bsp. für das Bewertungsraster des Medien-DoktorsKennzeichnung. Möglich sind hier: Kriterium erfüllt, Kriterium nicht erfüllt, sowie Kriterium nicht anwendbar (s. Abb.). Nebenstehend befindet sich jeweils eine kurze Begründung der jeweiligen Einschätzung. Gelegentlich gibt es zusätzlich eine Bewertung der zugehörigen Pressemeldung. So z.B. im Review von „Fett im Röntgenbild“ aus der „Welt“ zu sehen. Besonders bemerkenswert finde ich bei diesem Verfahren die Nachvollziehbarkeit der Bewertung. Vielleicht ist dieses Vorgehen in ähnlicher Weise auch für Open-Access Fachartikel möglich. Sicherlich lassen sich nicht alle Artikel mit Hilfe eines solchen Rasters angemessen bewerten. Als eine ergänzende Orientierungshilfe könnte es trotzdem hilfreich sein.

*Einige Artikel mit direkter Verbindung in die Welt der Fachwissenschaft lassen sich dann dort aber doch noch finden. So führte mich einer davon in das Themenfeld Open Access, worauf ich aber in einem anderen Beitrag näher eingehen möchte. In diesem Sinne… Fortsetzung folgt.

Flyer-Download: http://www.medien-doktor.de/medizin/wp-content/uploads/sites/3/downloads/2014/06/Medien-Doktor-Flyer-2014-web.pdf

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2 Gedanken zu “„Publizieren bis der Arzt kommt“ – ein Besuch bei medien-doktor.de

  1. Hallo nilsbib, danke für den Hinweis auf unsere Seite und das Projekt. Kurze Erklärung zu der Beurteilung von Pressemitteilungen: Diese vergleichenden Bewertungen haben wir gerade neu eingeführt. Das wird es jetzt immer geben, wenn es möglich ist, wenn es also eine passende Pressemitteilung zum journalistischen Beitrag gibt. Da sich Pressemitteilungen ja nicht mehr exklusiv an Journalisten richten, sondern genauso für ein breites Publikum frei verfügbar sind, und weil natürlich auch Journalisten nicht immer Experten auf einem gebiet sind, haben wir 2013 angefangen auch Pressemitteilungen zu bewerten, zunächst separat (http://www.medien-doktor.de/pr-watch/), jetzt auch in der Kombi.

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  2. Pingback: Diagnose: „Tod“ durch unterlassenes Peer-Review – die Qualität von wissenschaftlichen Aufsätzen | escienceblogging

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