„Gaming bei Altmetrics“

Nach reichlicher Überlegung zur Themenwahl der Hausarbeit für die Lehrveranstaltung eScience Aktuelle Entwicklungen im Informationsmanagement, habe ich mich gegen die Fragestellung „Gaming bei Altmetrics“ entschieden. Dem vorausgegangen war allerdings eine mehrtägige abendliche Recherche zur Quellenlage der Thematik, die mir bis dahin nicht sehr vertraut war. Damit die dabei aufgefundenen und ausgedruckten Aufsätze nicht nur als knisterndes Hintergrundgeräusch aus dem Kamin zu einer gemütlich, winterlichen Atmosphäre beitragen, möchte ich an dieser Stelle zumindest einen kleinen Auszug platzieren.

Da mir die Begriffe im Zusammenhang noch unbekannt waren, starte ich mit einer Kurzdefinition zur Orientierung:

Altmetrics
Aus dem Englischen für „Alternative Metriken“ (alternativ metrics). Mit ihnen wird versucht die Nutzung und Verwendung (wie z.B. Speicherung in Literaturlisten, Downloadzahlen, Verweildauer) wissenschaftlichen Veröffentlichungen in webbasierten Anwendungen auszuwerten und zur Beurteilung eines Gesamtbildes wissenschaftlicher Leistungen heranzuziehen. Teilweise werden dafür auch die Begriffe Webmetrics oder Webometrie verwendet.

Gaming
Aus dem Englischen für „spielen“ oder auch „manipulieren“.

„Gaming bei Altmetrics“ meint also die gezielte Manipulation von Daten zur Beeinflussung der durch Alternative Metriken ermittelten Werte.

Kritiker der Altmetrics vertreten die Ansicht, dass die damit erhobenen Zahlen und Daten schon aufgrund ihrer nutzergenerierten Entstehung und Beschaffenheit in ihrem sehr dynamischen Umfeld leicht manipulierbar sind. Diese Verfälschung wird sich, gerade wegen des Umfeldes, auch nie gänzlich verhindern lassen. An dieser Stelle sei der Hinweis erlaubt, dass Metriken wahrscheinlich schon seit ihrer Einführung manipuliert werden. So gibt es bspw. schon lange offene Kritik am JIF, dem Journal-Impact -Factor. Wahr ist aber auch, dass „metrics-gaming“ tatsächlich existent sein muss, denn aus dem alltäglichen sollte uns vertraut sein: „Was (technisch) möglich ist, wird auch gemacht!“. Leider fand ich bei der Recherche keine Belege in Bezug auf wissenschaftlichen Impact für meine Behauptung. Allerdings fand sich in dem Aufsatz von Priem und Hemminger der Hinweis auf das in Abb.1 gezeigte und mittlerweile eingestellte gewerbliche Angebot, das sich zur Optimierung von für Altmetrics genutzten Quellen eignete, was zumindest ein Beleg für das Mögliche ist.

Abb. 1: Screenshot via Wayback Machine des Dienstes Subvert and Profit –  Kosten von $0.40 (Facebook) bis $1.00 (Delicious) pro Eintrag

Abb. 1: Screenshot (via Wayback Machine) des Dienstes Subvert and Profit –
Kosten von $0.40 (Facebook) bis $1.00 (Delicious) pro Eintrag

Über die Aktivitäten und Strategien gegen das „gaming“ ließ sich die aufgefundene Literatur mit dem Verweis auf Software gesteuerte Erkennung ebenfalls relativ knapp aus.
Das Anpassen von Artikeln der Wikipedia zum eigenen Vorteil, inzwischen ein lukratives Geschäftsfeld der Onlinewelt, ist ebenfalls kein Geheimnis mehr. Die Vorgehensweise von Wikipedia gegen die interessengesteuerte Anpassung von Artikeln wurde in mehreren Texten thematisiert. Hier möchte ich auf die Studie Verdeckte PR in Wikipedia hinweisen, aus der sich sicherlich einige der beschriebenen (Fehl-)Verhaltensweisen auf den Bereich der wissenschaftlichen Arbeit im Netz übertragen lassen. Ob und wie die dort beschriebenen Maßnahmen geeignet sind, die Platzierung von Quellennachweisen zum Zweck eigener Impact-Steigerung erfolgreich zu vermeiden, wird nicht deutlich.

Letzen Endes sei angemerkt, dass die Manipulation Alternativer Metriken durch bspw. das massenhafte twittern von Selbstzitaten, das Streuen von „Gefälligkeitszitaten“ über unzählige Blogs oder das Anlegen diverser Profile mit „gefakten“ Literatursammlungen, generell nicht verboten oder strafbar ist (Wie will man auch einem Verlag verbieten, bei ihm erschienene Aufsätze massenhaft über die Social Media Kanäle zu verteilen?). Wohl aber könnte durch das Verhalten ein Verstoß gegen die AGBs der einzelnen Webdienste vorliegen, oder je nach Art der Manipulation, einzelne Rechte verletzt werden. Auf jeden Fall aber dürfte es ein Verstoß gegen die gute wissenschaftliche Praxis darstellen und bei Bekanntwerden der eigenen Reputation eher abträglich sein.
Ein weiteres Problem belegt der Aufsatz „An In-Depth Analysis of a Piece of Shit: Distribution of Schistosoma mansoni and Hookworm Eggs in Human Stool“. Er steht stellvertretend für die unbeabsichtigte Beeinflussung der Altmetrics, allein verursacht durch einen „aufsehenerregenden“ Titel.

Alles in allem stellt das „Gaming bei Altmetrics“ eine interessante Thematik dar, die es lohnt näher betrachtet zu werden.

Hier die Quellen zum Nachlesen oder Einsteigen:

Herb, Ulrich (2013):  Open Metrics: Jenseits des Zitatkartells
Altmetrics. Alternative Metrics (2014)
Ball, Rafael (2013): Bibliometrische Indikatoren
Liu, Jean; Adie, Euan (2013): Five challenges in altmetrics: A toolmaker’s perspective
Oppong, Marvin (2014): Verdeckte PR in Wikipedia
Peters, Isabella (2014): Altmetrics – was sind das?
Priem, Jason; Hemminger, Bradely H. (2010): Scientometrics 2.0: New metrics of scholarly impact on the social Web
Thelwall, Mike [u.a.] (2013): Do altmetrics work? Twitter and ten other social web services

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